An der Vorbesprechung erklärte ich dem Tätowierer Rolf Hebeisen (auf seine Seite kommt ihr hier) was so meine Vorstellungen wären und zeigte ihm auch sogleich die Bilder von Anthonys Rücken und einen Entwurf des Tattoos, den ich selbst abgezeichnet hatte.
Er war erstmal skeptisch und meinte das ich mir das schon überlegen müsse, bei meinem ersten Tattoo gleich so ein riesiges Motiv auszulesen, da das tätowieren schon eine heftige Sache wäre. Ihm seien schon die härtesten Kerle umgekippt!
Ob ich nicht etwas kleineres wolle?
Dadurch das ich zum ersten Mal vom Profi gehört hatte es wäre heftig sich tätowieren zu lassen, liess ich mich etwas abschrecken, jedoch war mein Wille dieses Tattoo machen zu lassen so stark, dass ich dabei blieb.
Also liess ich meine Fotos und meine Zeichnung bei ihm und er entwarf daraus diese Tattoo-Vorlage.
Nachdem ich ein zweites Mal bei Rolf gewesen war, um die Grösse des Tattoos an meinem Rücken auszumessen und das weitere Vorgehen zu besprechen, vereinbarten wir den ersten Termin am 17.April 2007.
An diesem Tag stand ich morgens mit einem etwas flauen Gefühl im Magen auf. Wie empfohlen hatte ich ausgeschlafen, denn wenn der Körper müde ist, ist das Tätowieren noch viel heftiger. Aus dem gleichen Grund zwang ich mich noch meinen Hunger zu stillen und machte mich dann auf den Weg nach Bern, Wyleregg.
Dort angekommen machten wir noch einige Vorbereitungen, wie Rücken rasieren, Cola trinken (dann blutet's beim tätowieren anscheinend weniger, wenn viel Zucker im Blut ist...) und die mit Spezialfarbe nachgezeichnete Vorlage positionieren.
Dann schaltete Rolf den Fernseher ein, ich hockte mich hin und konnte so beim Stechen "gemütlich" "Hellboy" schauen.
Und dann fing er an zu stechen.
Ich kann euch diese Schmerzen nicht beschreiben. Wenn es um Schmerzen geht bin ich eigentlich wirklich hart im Nehmen (zum Vergleich: mir fuhr schon mal ein Postauto auf den Fuss, ich hatte 48 Stunden einen geplatzten Blinddarm...d.h. ich weiss eigentlich was Schmerz bedeutet) aber das was hier auf meinem Rücken passierte, war wirklich unglaublich heftig!
Nach 10 Minuten, als das Adrenalin ausgeschüttet war, wars erträglicher, aber immer noch bei jeder neuen Linie eine Tortour.
So hockte ich da mit gefalteten Händen (wie beim Beten) und bei jedem neuen Strich presste ich meine Hände dermassen fest zusammen, dass ich am Schluss rote Striemen auf und zwischen den Knöcheln hatte.
Besonders beim Stechen auf der Wirbelsäule und auf den "Flügeli-Muskeln", dachte ich, dass ich gleich zusammenbrechen würde.
Einige Male machten wir eine Pause. Jeweils nach dem oberen Kopf, dem mittleren Kopf und nach dem rechten und linken Flügel.
Ich kann nicht sagen wie viel Zeit vergangen war, da ich durch die ständigen Schmerzen komplett das Zeitgefühl verloren hatte.
Einzig die Tatsache, dass wir nach "Hellboy" noch 3-4 Red Hot Chili Peppers-CD's gehört haben, lässt mich schätzen, dass es sicherlich 4-5 Stunden gewesen sind.
Das Peppers-Hören war eine sehr spezielle Erfahrung, da ich dieses Tattoo ja quasi als Statement für diese Band (siehe Part 1) machte. Die ganze Energie der Songs, welche mir nur allzu bekannt war, half mir auch diese (wenn auch freiwillige) Krise zu überstehen. =D
Wie gesagt, waren wir nach 4-5 Stunden fertig und Rolf war während der ganzen Zeit beeindruckt, wie super ich das machen würde und wie viel Spass er so beim Tätowieren hätte.
Denn auch wenn ich heftige Schmerzen hatte, machte ich die ganze Zeit über keinen Mucks und redete mir bei jeder erneuten Schmerz-Welle ein: "Verdammt du willst das, also reiss dich zusammen!" und konnte so das ganze eigentlich ganz gut durchstehen.
Und genau das ist der Punkt, wo man spätestens merkt, ob man die Tätowierung zu 100% will...nämlich der, wo man anfängt zu stechen (d.h. der Tätowierer) und einem die ersten paar Male dieser giftige, stechende, lähmende und nervtötende Schmerz durch den ganzen Körper fliesst.
Darum hier meine Tips an alle, die mit der Idee spielen sich tätowieren zu lassen:
1)Sei dir beim Motiv zu 100% sicher, dass du dieses Motiv den Rest deines Lebens mit dir rumtragen willst! (Weglasern ist nicht so lustig und einfach, wie's immer dargestellt wird! Ausserdem geht das nur bei kleinen Tattoos...)
2)Wähle am Besten eine Stelle zum tätowieren, die du durch normale Kleidung abdeckst, da es leider immer wieder Leute geben soll, die ein Tattoo als Grund erachten bei einem Vorstellungsgespräch o.ä. eine Absage zu erteilen.
3)Denke lange und gründlich über diesen Schritt nach!
Denn wenn du dir nicht zu 100% sicher bist, wirst du die Schmerzen nicht aushalten können!
Und da Tätowierer Künstler sind, wird dir kaum ein Tätowierer sagen: "Ja, wenn du nicht mehr magst, dann läufst du halt mitnem halben Tattoo rum!"
Ein angefangenes Tattoo wird fertig gemacht!
Und wenn du schon kurz nach Beginn nicht mehr kannst, der Tätowierer (verständlicherweise) die Sache aber noch beenden will, dann - ja DANN wird es richtig schlimm!
4) Wenns anfangs wirklich unerträglich ist, warte erst mal einige Minuten ab und beiss die Zähne zusammen! Wenn das Adrenalin ausgeschüttet ist, wirds schon ETWAS erträglicher...
Hier noch eine Anmerkung:
Ich beziehe mich hier immer nur auf die Schmerzen eines Tattoos, das wie meines über die ganze obere Rückenhälfte verläuft! Ich kann nicht sagen, ob das Stechen auf dem Oberarm auch so schmerzvoll ist, wie das auf der Wirbelsäule...
JEDOCH: Wenn jemand mit einem Tattoo kommt und sagt: "Ach hat überhaubt nicht weh getan!", dann ist das schlicht und einfach G-E-L-O-G-E-N!
Dies habe ich nun schon von vielen Profis gehört und ausserdem sagen die meisten Tätowierer auch explizit, dass diese Erfahrung von intensivem Schmerz zum Tätowieren gehört!
Nach dem letzten Strich mussten wir das Tattoo noch einsalben und in Klarsichtfolie einpacken, damit die Haut unter dieser Folie das restliche Blut und die überschüssige Farbe noch "wegschwitzen" konnte.
Und so sah mein Tattoo nach dem ersten Stechen aus:
Ich musste nun das Tattoo zweimal täglich einsalben und durfte bis die Kruste abgefallen war auch keinen Sport treiben, denn dabei könnte es sein, dass die Kruste aufreisst, die Farbe dabei ausgeschwemmt wird und es dadurch schliesslich zu Narbenbildung kommt, was ja schliesslich hässlich aussehen würde.
Ausserdem durfte ich auch einen Monat lang nicht im Chlor- oder Salzwasser baden und mit der Tätowierung nicht direkt in die Sonne liegen.
Wie mein zweiter Termin, der über 1 Jahr später stattfinden würde, verlaufen ist, lest ihr in "Schönheit muss leiden... (Part 3)".
5/06/2008
Schönheit muss leiden... (Part 2)
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